JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval
Türkei, Syrien und Jordanien PDF Drucken E-Mail
Reise-Welt - News
Geschrieben von: Frank Härte   
Sonntag, 27. März 2011 um 00:00 Uhr

Vätermonate mal anders, das war unsere Idee. Den Reisevirus hatten wir ja ohnehin schon drin. also wollten wir die verfügbare Zeit auch "besonders" einsetzen.

Anfang des Jahres überlegten wir, was wir also mit den beiden Monaten anstellen wollten. Weit weg und dorthin, wohin man mit Kindern in 3 bis 4 Wochen Jahresurlaub sonst nicht kommen würde. Der Atlas war schnell aufgeschlagen und das erste Ziel gefunden: Australien. Mit den Wochen wurde das Land und die Möglichkeiten immer größer, die Zeit dafür aber immer "kürzer". Zudem merkten wir, dass das Budget, das wir uns vorstellten, wohl nicht ausreichen würde. Flüge, Wohnmobil, Unterkünfte, etc. würden ziemlich teuer werden. Gleichzeitig wurde der Australdollar immer teurer, so dass wir irgendwann mal sagten, dass wir wohl eine Alternative suchen sollten. Also wieder den Atlas aufgeschlagen und wieder weit weg gedacht. Südamerika wäre schön (aber wieder zu teuer) und dann kamen wir auf die Idee, dass wir eigentlich ein Teil des Budgets in ein Wohnmobil stecken können und uns "exotischen" Zielen in Fahrreichweite widmen könnten. Marokko mit Womo kannte Katja schon. Also war der Westen gegessen. Skandinavien im Norden hatten wir schon mit Norwegen, also blieb der Osten. Der Nahe Osten mit Syrien und Jordanien.

 

Die Vorbereitungen

Wir sammelten also links, Reiseberichte und Informationen, dachten uns eine grobe Route aus und stellten unserer Checkliste der vielen Dinge zusammen, die wir zu erledigen hätten: Womo-Kauf musste erst noch erfolgen. Ende Mai waren wir dann im Besitz eines passenden Mobils. Klein und wendig sollte es sein und gleichzeitig aber zwei Betten für die Kinder bereithalten, die nicht erst noch jeden Abend gebaut werden mussten (VW-Bus schied damit aus). Es wurde also ein ausgebauter Fiat-Ducato - Pössl. Auf der Liste stand dann natürlich (zuvor) die Abstimmung mit dem Arbeitgeber. Dies geschah schon Anfang des Jahres, so dass auch klar war, dass der Reisezeitraum Septembe/Oktober werden würde. Schließlich wollten wir ja nicht zur Sommerglut in Jordanien unterwegs sein. Es kamen noch Erste Hilfe Kurse für Kinder, Arztbesuche mit Impfcheck, Aufbau der Reiseapotheke, Vorräte, ausreichend Windeln und so weiter. Eigentlich nahm es kein Ende. Schließlich mussten noch Dinge am Womo erledigt werden, da der Standardaufbau eine zu kleine Wohnraumbatterie hatte, keine Markise und keine vernünftigen Jalousien bei den Kinderbetten. Dies auch noch erledigt standen wir am 1. September also bereit die große Fahrt zu starten.

 

Griechenland

Die erste große Etappe sollte Griechenland sein, da wir dort Freunde besuchen wollten, deren Kinder mit Lina gemeinsam auch in die Kita gehen. Der Weg war klar: Österreich, Ungarn, Serbien, Mazedonien. Ab Mazedonien sollte das Wetter auch endlich auf freundlich, sonnig und warm umschalten. Davor war es leider (seit der Abfahrt) ziemlich nasskalt, so dass wir nachts sogar heizen mussten. Gefühlter Tiefpunkt war Nis in Serbien, da wir dort nur einen Stellplatz auf einem Autobahnrasthof fanden, der nach Hundeklo roch. Aber ansonsten lief alles ziemlich glatt. Grenzübergänge waren ein schnell überschritten, die übrigen Stellplätze auf dem Weg auch ok und schließlich genoss Frank den ersten türkischen Kaffee auf der Fahrt.

 

Griechenland starteten wir mit einer Campingübernachtung, bevor die besagten Freunde (bei deren Eltern) besuchten. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Die Kinder hatten ihren Spaß bei Wasserschlachten und Feigennaschen, tobten im und ums Haus. Auf dem Programm stand noch die Besichtigung der nahegelegenen Kleinstadt Veria, bevor wir uns nach zwei Tagen wieder verabschiedeten, um noch zwei weitere Nächte auf einem Campingplatz auf der Halbinsel Sithonia am Meer zu verbringen.

 

tsj_006 [640x480] tsj_007 [640x480]
Camping auf Sithonia                        Fehlgeschlagene Flaschensterilisation

 

Nun ging es nach Thessaloniki, um dort die Fähre in Richtung Chios und damit in Richtung Türkei zu nehmen. Das Ticket war schnell gebucht (in Thessaloniki waren etliche hotspots ungesichert, so dass wir uns eigentlich nur mitten in die Stadt stellen musste, um das Fährbüro im internet zu suchen). Die Fahrt - über Nacht - war etwas schaukelig, bis wir vormittags auf Chios ankamen. Katja war völlig begeistert von der Fährfahrt, so dass sie sich schon auf die nächste Passage „freute". Die Kinder hingegen fanden die Schaukelei super, so gut haben die lange nicht mehr geschlafen. Da die Fähre nicht direkt das türkische Festland anfährt, mussten wir von Chios einen weiteren Hopser nach Cesme - bei Izmir - unternehmen, den wir am gleichen Nachmittag dann taten. Den Tag verbrachten wir aber noch auf Chios sehr angenehm am Strand.

 

tsj_009 [640x480]

Einziges Auto auf der Fähre

 

Türkei

Ephesus, Pamukkale und Termessos

Wir kamen also mit dem letzten Hopser in Cesme in der Türkei an. Die Formalitäten gingen ziemlich flott. 10 Euro Gebühren und 10 Minuten später waren wir schon aus dem Hafengelände raus. Da Ende des Ramadan war, waren die Straßen relativ leer und wir waren erst irritiert, weil die Mauthäuschen offen waren. Wie wir später erfuhren, werden an diesem Feiertag keine Gebühren erhoben und freie Fahrt gegeben. Im Dunkeln und mit etwas Glück in der Suche erreichten wir dann den Campingplatz, den wir uns ausgesucht hatten, die erste Nacht wollten wir nicht gleich auf freier Strecke verbringen. Von den Campingnachbarn wurden wir gleich herzlich begrüßt und zum Abendessen eingeladen. Unser Beitrag zum Nachtisch fiel dafür leider spärlich aus.

 

Den nächsten Tag versetzten wir uns 50 Km weiter an der Küste zum nächsten Campingplatz und genossen im dortigen Restaurant ein leckeres Abendessen (mit unseren herumspringenden Kindern). Am nächsten Tag stand unser erstes Highlight auf dem Programm: Ephesus und damit gemeinsam im Touristenpilgerschwarm die Ruinen zu besichtigen. Es war dennoch beeindruckend (irgendeinen Grund muss es ja für die vielen Besucher geben). Lina stapfte durch die "Urstadt", wie wir nun jede Ruinenstätte tauften, und wollte unbedingt auch die oberste Reihe im Theater erklettern. Von da an waren Theater „ihr Ding". Für Jonathan war wohl die abschließende Kutschfahrt zurück zum Parkplatz das highlight.

tsj_013 [640x480]
Celsus Bibliothek in Ephesus

 

Nach kurze Suche eines Geldautomaten im benachbarten Städtchen, ging es durch das Mäandertal nach Pamukkale.  Den Tag empfanden wir insgesamt als den ersten heißen Tag unserer Tour. tsj_023 [640x480] Die Nacht verbrachten wir unterhalb der Terassen auf einem Rasenplatz an einem Restaurant, das diese Campingmöglichkeit. Abendessen „organisierten" wir in einem anderen Restaurant im Ort. Das Essen war eigentlich nur mäßig und dafür teuer. Den nächsten Morgen ging es dann zur Attraktion, den weißen Sinterterassen. Hier turnte Lina auf den Terrassen umher und war vom Fußbad in den Pools begeistert. Man konnte auffällig feststellen, dass die osteuropäische Touristenfraktion hier sehr stark vertreten war. Nettes Highlight auf dem Busparkplatz war, dass der Fahrer des Busses neben uns eine zeitlang in Münchberg gelebt hat. Zumindest kamen wir dieser Erkenntnis schrittweise näher. Deutschland, Bayern, Hof, Münchberg, Straße. Er schenkte Lina noch zwei Äpfel. Zum Abschied winkend ging es dann aber dem nächsten Ziel entgegen.

 

Es sollte ein längerer Fahrtag nach Termessos werden (kurz vor Antalya - das keinen Campingplatz hat). Am Parkeingang (die Ruinen sind in einem Nationalpark angesiedelt) fanden wir unter Kiefern den angekündigten Stellplatz Termessos, eine antike Stadt war fantastisch!! tsj_034 [640x480] Erstens geht es ca. 800 Höhenmeter auf Serpentinen nach oben, so dass man dann einen grandiosen Blick in die umliegenden Täler hat. Zweitens liegen die Ruinen in einem Wald verteilt, so dass man von einer Lichtung zur anderen wandert. Eigentlich ist die Ruinenstadt eher kinderungeeignet, da der Fußweg ziemlich steil verläuft. Damit schafft es diese Anlage auch nicht auf die Top-Liste der Tagesausflügler der Türkischen Riviera und man ist somit ungestört unterwegs. Dabei sei erwähnt, dass sich Lina einen Orden verdient hat. Ihr machte es sogar regelrecht Spaß drei Stunden rumzulaufen (ohne Lockmittel oder Versprechungen). Jonathan vergnügte sich im Tragerucksack.

 

An der türkischen Mittelmeerküste

Weitere Stationen durch die Türkei waren dann an der Küste: Manavgat, Anamur, Kizkalesi (Stipvisite im Hades), Silifke und Karatepe (war kurzzeitig 2008 im Gespräch das „eigentliche" Troja zu sein). Anamur selbst ist eher eine riesige Bananenplantage. tsj_025 [640x480] Die Kreuzfahrerburg ist mehr das Highlight. Erstens liegt es direkt neben dem Campingplatz, zweitens ist es ein ideales Gebiet für eine Kindererkundungstour. Es gibt gibt haufenweise Gänge und Treppen zu erkunden.In Anamur trafen wir auch das erste Mal auf Doro und Jupp, zwei wirklich Weltreisende in ihrem grünen Mercedes Lkw. Sie waren gerade auf einer Tour nach Südafrika. Nach zwei ruhigen Tagen, an denen Lina auch einen gerade erst erstandenen Spunge-Bob-Drachen steigen lassen konnte, ging die Fahrt an der Küste weiter. Kurz erwähnt sei ein Mittagessenshalt an einem Straßenrestaurant. Hier konnte sich Lina ausgiebig austoben, der Kellner machte dabei auch noch kräftig mit.

 

tsj_033 [640x480] Silifke war ein netter Campngplatz mit Stellmöglichkeit 5 Meter vom Meer. Obwohl es ein sehr grobkiesiger Strand war, hatten Lina und Jonathan ihr Vergnügen. Dann wurden eben nicht Sandburgen gebaut sondern Steine hin- und hergeräumt. Länger wollten wir uns aber des „kinderproblematischen" Strandes wegen nicht aufhalten.

 

 

 

Kanatepe selbst steht wiederum nicht auf der Top-Liste der „sichtbaren" Ruinen. Es ist mehr die Lage der verbliebenen Reste. Schön in einem Nationalpark, tsj_043 [640x480] oberhalb eines Stausees, gelegen lässt es sich auch bei größerer Hitze angenehm im Schatten des Waldes laufen. Die Löwenskulpturen oder Reliefs sind dann eine nette Abwechslung. Auf jeden Fall hatten wir dort einen ruhigen Stellplatz (umsonst) für die Nacht. Am benachbarten Toilettenhäuschen versorgten wir uns mit einem improvisierten Wasserschlauch, den wir dort fanden, mit einer Dusche für Lina.

 

 

Letzte Station in der Türkei war Konacik bei Iskenderum. Hier verbrachten wir die Nacht auf dem Campingplatz Orient; eigentlich ein fast schon botanischer Garten. Der Besitzer ließ extra für Lina den Pool mit Wasser volllaufen (es waren inzwischen ca. 35°C). Im übrigen gewöhnte sich Lina die letzten Tage bereits daran, dass sie immer wieder mal von Einheimischen hochgehoben wurde, Fotos von ihr gemacht wurden oder sie ein Küsschen auf die Wange bekam. Jonathan ließ die Prozedur stets mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Wenn Beide gewusst hätten, dass dies nur der Auftakt für noch mehr Aufmerksamkeit in Syrien und Jordanien werden sollte... Auf jeden Fall freute sich Lina auch gerne, wenn sie eine Kleinigkeit geschenkt bekam.

 

Der Empfehlung des Campingplatzbesitzers in Konacik war die Straße weiter an der Küste zu nehmen. Sie wäre landschaftlich reizvoller, auch wenn es tjs_2n [640x480] teilweise eine Schotterpiste beinhalten würde. Da wir auf dem Weg nach Konacik schon baustellenbedingt längere Schotterstrecken durchmachten, dachten wir, dass der weitere Weg zurück in Richtung Iskenderum über die Baustellen auch nicht besser wäre. Weit gefehlt. Die Küstenlandschaft war zwar toll, die Schotterpiste umfasste auch die angekündigten 10 Kilometer, allerdings - und das wusste der Campingplatzbesitzer auch nicht, folgten dieser Strecke etliche weitere Kilometer baustellenbedingter Piste. Wir waren also nicht besser dran, sammelten vielmehr ca. 30Km Piste bis zum frühen Nachmittag.

 

Letztes türkisches Highlight war der Besuch eines Supermarktes in Antakya, um unsere Vorräte aufzufüllen. Wir gehen rein und fünf Angestellte schwärmen um uns rum (inkl. Manager), um Obst zu wiegen, uns eine Kleinigkeit aus der Keksetheke probieren zu lassen oder sonst irgendwie aufmerksam zu sein. Mir ist bisher kein vergleichbares Erlebnis bekannt, bei dem eine türkische Familie bei Reichelt (natürlich hier nur stellvertretend genannt) eine solche Aufmerksamkeit erfuhr.

Von dieser Ecke der Türkei sollte uns das heiße Wetter dann bis nach Jordanien begleiten. Temperaturen schwankten tagsüber irgendwo jenseits der 30 Grad.


Syrien

Über die Grenze in die erste Nacht

Auf nach Syrien. Oder eigentlich: irgendwie „raus" aus der Türkei. Wir haben wohl die passende Zeit erwischt, in der gerade ein heftiges Gewusel herrschte. Vor den Fenstern der Zöllner bildeten sich Trauben und die Pässe wurden den Beamten fasst schon unter die Nase gehalten, so dass denen auch mal der Kragen platzte. Also irgendwie rausbekommen (nur arabische und türkische Schilder), wie man erst das Auto aus dem Pass austrägt, den Zoll erledigt und die Passkontrollen übersteht. Schön, dass am letzten Tor der Zöllner das Kennzeichen nicht im Computer fand und erst nach einem Check am ersten Tor klar war, dass er nicht richtig gesucht hat (es war alles richtig erfasst). Kurzum, zwei Stunden später durften wir nach Syrien einreisen. Ähnliche Situation hier: zur Erleichterung der Einreise nur arabische und türkische Beschreibungen. Schließlich „half" ein Syrer alle Formalitäten zu erledigen, so dass die Prozedur dann nur 45 Minuten dauerte. Seinen „Lohn" von 50 Dollar „kürzte" ich aber auf 20 runter. Dennoch blieben die üblichen Gebühren für Dieselsteuer (man zahlt diese pro Woche), Autoversicherung und temporäre Fahrzeugverzollung nicht erspart. Es war 18:30 (zufällig auch Sonnenuntergang) und der Tag sollte noch etwas dauern.

 

Wir wollen nicht direkt an der Grenze übernachten, also die zusammengetragene Stellplatzübersicht befragt und als Ziel in der Nähe das Simeonskloster eingegeben. Es wurde dunkel, keine Straßenbeleuchtung und uns kamen Lkws entgegen, die wie ein Weihnachtsbaum beleuchtet waren. 5 Km vor Ziel wollten wir noch tanken (da wir schon in Richtung Reserve gingen). Also durch den Ort gefragt, bis wir die Tankstelle fanden. Um es vorweg zu nehmen: 2 Stunden Tankstopp. Davon 5 Minuten betanken, der „Rest" war Teeplausch. Kaum stieg ich an der Mini-Tanke aus, wurde ich zum Tee herangewunken. Selbstverständlich lehnt man den aus Höflichkeit nicht ab. Zwei Minuten später wurde Madame mit den Kindern ebenfalls herangeholt. Als klar war, dass a) der Kreis der Interessierten größer und b) die Tankstelle doch nicht so gemütlich war, zogen wir auf die Terrasse einer Familie. Mit einem Mix aus Englisch, Französisch, Hand und Fuß wurde die Unterhaltung geführt. Es war sehr herzlich und wären die Kinder nicht die Entschuldigung für unseren Abmarsch gewesen, hätte es sicherlich noch länger gedauert. Der Tank wurde übrigens für 30 Dollar voll. Wir erreichten also schließlich das Simeonskloster (eine historische Ruine) und stellten uns für die Nacht auf den Parkplatz, den uns der Nachtwächter als sicher beschrieb.

 

Simeonskloster und das regnerische Aleppo

tsj_048 [640x480] Nach einer ruhigen Nacht wurden wir ab 8:00 von den ersten Bussen eingerahmt, die Ausflugsschwärme von Rundreisetouristen abluden. Wir schlossen uns dann schließlich an und Lina kletterte auf die erste Säule - nachdem sie schon den Tag zuvor die Geschichte des heiligen Simeon (Symeon) auf der Säule erzählt bekam. Ab da wurden immer wieder Säulen erklommen.

 

 

Nach dem Besuch des Klosters ging es weiter in Richtung Aleppo, um dort einen Campingplatz aufzusuchen (Empfehlung!). Die Belgierin (mit einem Syrer verheiratet) nahm sich viel Zeit, um unsere Fragen zu beantworten. Wir beschlossen, dass wir den nächsten Tag (obwohl Freitag) nach Aleppo fahren würden, um dort in einem Hotel für eine Nacht zu bleiben. Freitag war immerhin die Zitadelle geöffnet, Samstag wollten wir dann nutzen, um den Suk zu besuchen. Fahrzeug der Wahl für die Fahrt war ein Minibus. Eigentlich flogen wir mehr, als dass wir fuhren. VW-Busgröße, Kurvenstrecke, 14 Passagiere, 100 Km/h, nach weiteren Anhaltern ausschauen, Geldwechseln. Das nennt man Multitasking. Fahren, Verkehr und Gegenverkehr sowie Ampeln sollte man nicht vergessen. Um es abzuschließen: die Kinder fanden es klasse. Sie jauchzten. Die Rückfahrt am nächsten Tag: 20Km/h schneller und eine Hand an der Hupe.

 

Aleppo selbst: am Freitag („Sonntag") fasst wie ausgestorben. Eigentlich hatten wir das Gefühl, dass nur Läden mit Süßigkeiten geöffnet hatten, diese dann auch wirklich reichlich an der Zahl. Uns war nur nicht nach Süßem. Wir brauchten relativ lange, um ein Restaurant zu finden. Als wir die Tür öffneten, dachten wir schon, dass die Aufmachung für eine gehörige Portemonaieerleichterung sorgen würde: Altes Gemäuer, aufwendig hergerichtet, entsprechende Einrichtung und etliche Kellner wuselten rum. 18 Euro machten uns satt. Sicher ein stolzer Preis, wir waren angenehm überrascht vom Restaurant Sissi. Anschließend ging es noch zur Zitadelle mit einem fantastischen Blick über die Stadt. Kurze Pause legten wir unterhalb der Zitadelle auf einem größeren Platz ein, um dem geschäftigen Treiben der Syrer zuzusehen, wie sie sich langsam zum Gebet in der nahen Moschee einfanden. Zurück ging es dann zum Hotel (ebenfalls ein altes Herrenhaus, toll hergerichtet) durch den fasst menschenleeren Suk. Der Weg durch den Markt war fasst schon unheimlich, so dass wir einer Familie in kleinem Abstand folgten, um nicht gänzlich alleine zu sein. Glücklicherweise machten bereits wieder Geschäfte auf, so dass noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen konnten. Den Abend beschlossen Lina und ich damit, dass wir nochmals durch die engen Gassen um das Hotel herum schlenderten und im Innenhof des Hotels bei Tee und Orangensaft die Gute Nachtgeschichte erzählt wurde.

 

tsj_058 [640x480] tsj_056 [640x480]

Blick über Aleppo                           Zitadelle von Aleppo


Der nächste Tag fing mit Regen an. Er prasselte auf die Überdachung des Innenhofs, in dem wir auch frühstückten. Glücklicherweise hörte der Regen dann irgendwann auf. Leider wurde die Stadt mit dem Nass etwas unansehnlich. Der Müll auf der Straße wurde sozusagen matschig. Wir entschlossen uns dennoch den Suk zu besuchen. Also rein und einmal rauf und wieder runter. Lust zum Shoppen hatten wir keine, dazu fehlte irgendwie die Laune, wir wollten eigentlich wieder zum Womo zurück - es war zudem auch etwas schwül geworden. Also folgte die Suche nach dem Minibus zum Campingplatz und der folgende Rückflug.

 

tsj_054 [640x480] tsj_061 [640x480] tsj_063 [640x480]

Suk bei Nacht                               Suk am Tag



Über Apamea zur Eroberung des Krac de Chevalier

Den nächsten Tag ging es nach Apamea, um dort einerseits eine römische Stadt (vielmehr die übrig gebliebene Kolonadenstraße) zu besichtigen und die Nacht zu verbringen. Auf dem Weg dorthin sind zwei Dinge erwähnenswert. Erstens wie dicht Tag und Nacht im Einkaufsbereich beisammen liegen können. Da wir kurz vor dem Standort waren, wollten wir noch unsere Wasservorräte auffüllen und etwas Gemüse kaufen. Also ab in einen Laden: Dunkel, schmutzig und mit dem Gefühl, gleich am Boden kleben zu bleiben. Der Boden hat wohl zur Einweihung vor 20 Jahren den letzten Wischmop gesehen. Mehr als Wasser wollte ich dann auch nicht mitnehmen. Wäre es nicht eingeschweißt gewesen, ich hätte nichts mitgenommen. Fasst schon entmutigt fuhren wir 300m weiter, siehe da, doch noch ein weiterer Laden: Hell, gefliest, man hätte fasst vom Boden essen können. Also konnte ich die Gemüsevorräte auch auffüllen.

 

tsj_200 [640x480]

tsj_066 [640x480] Bei Apamea selbst versorgten wir uns noch mit dem Abendessen: Chickenburger a la Syrie. Und das geht ganz einfach: zwei Fladenbrote unten, ein gegrilltes Hähnchen drauf, zwei Fladenbrote drüber und etwas plattgedrückt. Fertig ist der Burger. Wer die Veredelung mag, der bekommt vom Dönerspieß noch etwas Fett drübergeträufelt. Da ich auf den dazugehörigen Salat verzichten wollte, packte mir die (wirklich) sehr freundlichen Bedienungen (ich war von ca. 4 umringt) noch Salatgurken, Tomaten und zwei Soßen ein.

 

tjs_3n [640x480] Dann aber endlich erreichten wir die antike Stadt Apamea. Wir übernachteten am Wärterhäuschen, nachdem wir vom Wärter aufgefordert wurden den Platz an der alten Stadtmauer „aufzugeben". Wir wurden aber zu Tee und Nascherei eingeladen und den nächsten Tag sollten wir zum Kaffee wiederkommen. Letzteres taten wir dann auch um 9:00, um dann „Familienfotos" zu machen, Nüsse und kleine Anhänger zu kaufen.

 

 

Nach der Verabschiedung ging es nach Krac de Chevalier. Es wurde eine Berg- und Talfahrt, da wir nun die Ebene verließen und uns allmählich in die Berge schraubten. Man merkte irgendwann, dass die Schule zu Ende war, denn in jedem kleineren Ort schwärmten Horden von Jungen und Mädchen in ihren Uniformen aus. Da Fußgänger sich dem Autoverkehr auf der Straße gegenüber gleichberechtigt fühlen, liefen die Schüler (ansonsten aber auch jeder andere Fußgänger) häufiger mitten in der Straße. Platz wurde häufig nur sehr langsam gemacht - dann aber häufiger auch mit Winken verbunden.

 

Letztendlich erreichten wir Krac de Chevalier. Dies ist eine als Weltkulturerbe geführte Kreuzfahrerburg - und sie ist es wert! Man kann sich einen tsj_070 [640x480] hervorragenden Eindruck von der Anlage verschaffen, die sich in einem sehr guten Allgemeinzustand (für hiesige Verhältnisse) befindet. Lina war hellauf begeistert und mit Taschenlampe bewaffnet erkundete sie einen Raum nach dem anderen. Eines ist für viele Sehenswürdigkeiten in Syrien typisch. Kinder muss man vielfach an der Hand führen. Beispielsweise steht man auf einem Wehrturm, den man über eine enge Treppe erklommen hat und die Brüstung oben besteht aus einem ca. 20 cm hohen Mäuerchen. Dahinter geht es dann evtl. 30 Meter in den Burggraben.Wir übernachteten praktisch gegenüber der Burg auf dem Parkplatz eines Hotels, das ich aber angesichts der eher sehr mäßig gereinigten Toiletten ausgeschlagen hätte. Wir brauchten aber den Strom. Das Abendessen war auch sehr eintönig. Die Speisekarte war lang, die Hinweise des Kellners aber, dass es dies und das nicht gab, waren länger. Eigentlich gab es nur Sis Kebab mit Pommes.

 

Auf zur jordanischen Grenze

Den nächsten Tag machten wir einen großen Sprung in Richtung jordanische Grenze, da am folgenden Tag die Woche für die Dieselsteuer „erledigt" war und wir zur Vermeidung einer Strafsteuer ausreisen mussten. Wir fuhren also an Damaskus vorbei (wollen wir uns für den Rückweg aufheben), machten nur kurz Stopp, um Mittagessen an einem Dönerstand zu besorgen. Lecker aber nicht ganz kalorienarm. Fleisch im Fladenbrot, wobei das Fladenbrot, nachdem es gerollt wurde, kurz im Fett gewälzt wurde, um dann knusprig gebraten zu werden. Als es allmählich dunkler wurde, war bald klar, dass wir unser Reiseziel für heute (Bosra) nicht schaffen würden. Wir wollten unbedingt eine Nachtfahrt vermeiden, da manche Schlaglöcher am Tag es schon in sich hatten. Also die Karte befragt. In der Näher der Autobahn war eine christliche Kirche vermerkt. Wir dachten, es handelt sich evtl. um eine Ruine, in deren Nähe wir uns hinstellen könnten. Da wir keine GPS-Koordinaten hatten, fuhren wir also Pi-mal-Daumen nach Karte und fragten uns in einem Ort durch, bis wir tatsächlich die Kirche fanden. tsj_4n [640x480] Ruine weit gefehlt. Wie sich herausstellte, war es eine christliche Gemeinde und wir wurden herzlich eingeladen, auf dem Platz (abgesperrt) vor der Kirche zu übernachten. Selbstverständlich wurde ich zu Tee eingeladen. Katja blieb beim Auto, da es schon spät war und die Lina und Jonathan ins Bett mussten. Zudem tobten eine Horde von Kindern ums Auto herum. Katja hatte ihre Arbeit, die Kids wieder aus dem Auto raus zu scheuchen. Beim Teeplausch auf radebrechend französisch erfuhr ich dann die Informationen über den Ort und die Kirche, sowie dass einige Familienmitglieder derzeit in Deutschland leben. Für den nächsten Morgen wurden wir alle zu Kaffee bereits eingeladen.

 

Den nächsten Morgen starteten wir gemütlich, d.h. packten unsere Sachen und frühstückten. Gegen 10:00 gingen wir zur Familie, die uns zum Kaffee eingeladen hatte. Wir kamen an und hatten erst einmal das Gefühl alle aus ihrem Schlaf zu wecken. Wir wissen nicht, wer sich heute Nacht um unsere Bewachung bemüht hat, es könnte die Familie gewesen sein. Am Abend wurde bereits deutlich gemacht, dass wir sicher stehen würden und ein Auge auf uns geworfen würde. Auf jeden Fall war es ein herzlicher Kaffeumtrunk mit kleinen Knabbereien. Neben den bereits bekannten Informationen erfuhren wir noch mehr Details u.a., dass die Dame des Hauses schon in Deutschland zu Besuch war.

 

Auf jeden Fall ging es jetzt in Richtung Grenze. Schnell noch vollgetankt (Jordanien ist der Sprint „erheblich teurer" - 50 Cent ggü. 38 Cent). Da wir auch noch den Reifendruck checken wollten, hielten wir an einer weiteren Tankstelle an. Dies wurde prompt erledigt, Geld wollte man nicht nehmen. Vielmehr wurde auch noch schnell mit dem Hochdruckstrahler die Frontscheibe sauber gemacht. Nächster Halt war dann die Grenze.

 

Im Gegensatz zum Gewusel an der türkisch-syrischen Grenze lief hier alles relativ entspannt ab. Als wieder die Prozedur, dass wir durch den Zoll mussten, das Fahrzeug im Pass von Katja per Stempel „austragen" mussten, sowie insgesamt die Pass-Ausreiseprozedur. Einzig blöd war nur, dass wir unsere letzten syrischen Pfund an der Tankstelle gelassen hatten und Dollar oder Euro nicht direkt akzeptiert wurde. Also schnell noch zur Bank um die Ecke, den notwendigen Betrag tauschen und die Ausreisegebühr entrichten. Es lebe die Bürokratie der Syrer.

 

Auf gings zum jordanischen Checkpoint. Hier lief alles noch erheblich entspannter, da auch hier (wie am Checkpoint zuvor), englischsprachige Informationen weiterhalfen. Zudem waren die Beamten auch erheblich hilfsbereiter und gaben Hinweise, wohin man gehen müsse. Einziger Wehrmutstropfen waren die hohen Gebühren. Wir hinterließen für Visa, Einreisegebühr fürs Fahrzeug, Versicherung stolze 235 Dollar. Den größten Anteil machte die Versicherung. Als ich mich bei einer Wechselstube erkundigte, mit wie vielen Gebühren ich rechen müsse - und ich bereits die 100 Dinar Versicherung nennen konnte - ging einer der Männer aus der Wechselstube zum Versicherungsbüro um die Ecke, um sich zu versichern, dass die Versicherung des Fahrzeugs wirklich so hoch sei. Leider kam er mit keiner besseren Nachricht zurück. Als dann alle Formalitäten erledigt waren, gings dann aber zügig zum letzten Ausfahrtstor, was auch nochmal erwähnenswert ist.

 

Wir standen also in einer Schlange von Fahrzeugen, die die Endkontrolle erwartete. Ein Beamter wirkte sehr wichtig und geschäftig, zumindest mussten zwei Fahrzeuge vor uns aus der Schlage, um wohl eine längere Procedur zu erwarten. Zumindest Frank freute sich schon auf die nähere Fahrzeugschau. Das GPS war vorsorglich im Kleiderschrank verschwunden, davor ein BH von Katja hübsch drapiert. Also, erst Pässe herzeigen, dann Fahrzeug auf. Der Beamte hatte Lina schon durchs Seitenfenster erblickt und konnte sie nun durch die Seitentür direkt ansprechen. Auf jeden Fall schnappte er urplötzlich nach Linas Wange, um sie zu knuddeln. Wir bekamen schon einen Schreck, da wir ihre übliche „Abwehrreaktion" (leider) sehr deutlich kennen. Doch es kam anders. Es folgte kein Kreisch-und-um-sich-Schlagen-Konzert. Vielmehr war Lina wohl vollkommen überrumpelt, so dass sie eigentlich nur lachen musste. Dem Beamten war es dabei herzlich egal, ob hinter uns die Schlange länger wurde. Er und Lina hatten ihren Spaß - wir dann auch. Mit diesem freundlichen Willkommen ging es dann weiter in Richtung Übernachtungsplatz.



Jordanien

Der Norden mit Umm Quays, Jerash und Amman

Hierfür hatten wir uns Umm Quays ausgesucht, da man auf dem Museumsgelände direkt neben der Touristenpolizei übernachten konnte. Wir erreichten den Platz noch bei Sonnenuntergang, so dass man einen ersten kleinen Eindruck des osmanischen Dorfes erahnen konnte. tsj_078 [640x480] Unser Stellplatz war im Innenhof eines verfallenen Wohnhauses. Das Highlight des Ortes sollten wir aber erst am nächsten Vormittag erkunden. Da Katja müde war, gingen Frank und Lina noch auf kurze Erkundungstour. Eigentlich suchten wir eine Toilette. Dabei fanden wir dann ein Restaurant mit grandiosem Blick auf den See Genezareth und die Golanhöhen. Nach kurzer Rückmeldung bei Katja - die trotz Aussicht auf Ausblick nicht wollte - verabschiedeten sich als Papa und Tochter zu einem Drink ins Restaurant, um dort den Ausblick zu genießen. Bei volliger Dunkelheit konnte man schließlich sogar den Lichtschein von Nazareth erkennen. Bei einem Glas Orangensaft, Wein und Flasche Wasser erzählte ich dann Lina eine kleine (Teil)Geschichte von dem Mann, der sogar auf dem Wasser des Sees laufen konnte, den wir da sahen. Zum Wetter sollte man sagen, dass wir im T-Shirt bei lauem Wind die Lichter der Dörfer und Städtchen bewundern konnten.

 

Den nächsten Vormittag erkundeten wir (dann bei deutlich höheren Temperaturen) den eigentlichen Grund für die Nennung im Reiseführer. Der Ort war eine römische Siedlung (natürlich auf einer schon älteren Siedlung). Er gehörte zur Zeitenwende zu einem 12er Handelsverbund größerer Städte (u.a. Damaskus).

 

Weiter ging es zu noch mehr römischen Highlights - Jerash. Auf dem Weg dorthin machten wir kurz bei einem Arzt halt, um Jonathan untersuchen zu lassen. Er hatte seit ein paar Tagen Durchfall und das bei Damaskus gekaufte Durchfallmittel (unsere Reiseapotheke verschmähte er) zeigte keine Wirkung. Für Untersuchung und 3 Medikamten (2x Antibiotika) gaben wir umgerechnet nicht einmal 10 Euro aus. Es sei auch erwähnt, dass 24 Stunden später der Durchfall Geschichte war und Jonathan die Medizin die nächsten 5 Tage hassen lernte. tsj_11n [640x480] In Jerash, als Tagesziel, suchten wir ein Hotel auf, das eine Campingmöglichkeit anbot. Diese nutzen wir dann auch für die nächsten zwei Nächte, um neben Sightseeing auch den inzwischen größeren Dreckwäschestapel zu waschen und generell wieder klar Schiff zu machen. Nebenbei bot das Hotel auch einen Pool an, der bei ca. 34° Lufttemperatur eisige Abkühlung bot (unbeheizt, also mindestens gefühlt 18°). Den nächsten Nachmittag ging es dann mit dem Taxi (da das Hotel oberhalb des Ortes lag) zu den Ausgrabungsstätten. Familienprotest war mir sicher, da die Sonne doch ziemlich brannte. Dennoch hat es sich gelohnt.

 

Jerash wir in Jordanien hinter Petra als „Nr. 2" geführt, da noch erhebliche Substanz erhalten ist. Hiervon konnte wir uns dann auch lebhaft überzeugen. Anders als in anderen Stätten, wo bereits 5 Säulen ein Besucherzentrum rechtfertigen, konnte man den Aufbau einer ganzen Stadt erahnen. Zur Pause nutzen wir das Restaurant - die Kinder meldeten auch Hunger an und die mitgebrachten Sachen waren nicht erschöpfend. Das das Buffet 12 Euro pro Person kosten sollte, wir aber nicht den größten Hunger verspürten, dachten wir, dass zwei Kebap und drei Getränke eine vernünftige Alternative wären. Leichtgläubig vergaßen wir nach dem Preis zu fragen. Die Rechnung endete bei 18 Euro - kommen wir wieder her, werden wir sicher das Buffet zum Ausgleich plündern.

 

tsj_080 [640x480] tsj_089 [640x480]

 

tsj_10n [640x480]

 

Zurück zum Hotel mit dem Taxi (und großer Freude beider Kids über die Berg-und-Talfahrt), gings dann nochmal ins Hotelrestaurant - bei gemäßigter Rechnung aber auch gemäßigtem Essen. Für den Stopp sollte noch erwähnt werden, dass wir hier ein englisches Paar mit ihrem vierjährigen Sohn trafen (die wir dann auf der weiteren Reise immer wieder trafen). Sie stellten sich als Afrikafahrer heraus, die in den nächsten 6 Monaten bis Kapstadt fahren wollten.

 

Den nächsten Tag ging es dann in Richtung Amman. Eigentlich wollten wir die Stadt besuchen, entschieden uns dann anders - für den Rückweg. Auf dem Hinweg sollten wir die Stadt dennoch schon „besuchen". Doch zuerst machten wir ausgiebigen Halt an der Amman City Mall, um erstens die Vorräte aufzustocken, aber auch zu entdecken, dass die Mall einen kleinen Vergnügungspark für Kinder bot. Lina war hellauf begeistert!

Es wurde dunkel und wir mussten noch zur Unterkunft. Das Navi gab 40 Km Auskunft, die Luftlinie betrug 15Km. tsj_5n [640x480] Also wählten wir den direkten Weg durch die Innenstadt. Es war ein Erlebnis. Alles ging gut und auch im Schneckentempo ging es irgendwie weiter. Lina durfte auf den Schoß von Katja auf den Vordersitz, um auch selbst die Fahrt zu erleben. Wir erreichten also unsere Unterkunft. Es ist eine Schule für benachteiligte Kinder (Theodor-Schneller-Schule), die u.a. zur Finanzierung ein Guesthouse und Campingmöglichkeit anbietet. Wir wurden freundlich begrüßt, wanderten aber bald in die Betten. Am nächsten Morgen (ab 9:30) war aber das Tollhaus los. Da es eine Schule war und wir (insbesondere mit Lina und Jonathan) eine Attraktion boten, wurden wir umlagert. Irgendwie schafften wir es dann dennoch reisefertig zu werden und wir nutzten die Ruhe des Mittagessens, um dann in Richtung Mount Nebo aufzubrechen.

 

Mount Nebo, die Hitze am Toten Meer und der Dana Nationalpark

Mount Nebo ist für drei Dinge berühmt. Erstens durfte hier Moses ins gelobte Land blicken - später dann auch hier sterben - und zweitens lag unterhalb des Berges eine Quelle, die dem Moseswunder zugesprochen wurde. Wir begnügten uns mit dem Berg. Der dritte Punkt, der aber nicht in der Bibel geführt wird, sind die vielen Fliegen, die vom Toten Meer in die Höhe getrieben werden. Aber zurück zum Berg: Vom Blick gab es nicht viel. Mit zugekniffenen Augen reichte der Blick gerade mal bis zum Toten Meer, vom gelobten Land sollte zumindest heute nichts zu sehen sein. Da wir relativ spät eintrafen, waren wir auch die letzten Besucher, die das Gelände verließen (Sonnenuntergang). Das führte dann aber dazu, dass - wieder einmal durch Lina und Jonathan bedingt - der Torwärter uns zu einem kleinen Plausch bei Tee und Gebäck einlud. Die beiden Kinder waren von den hier lebenden Katzen hellauf begeistert, was der Torwärter noch mehr verstärkte, dass er von seinem Handy ein Katzenlied abspielte. Was er danach auf Linas Drängen immer wieder tun musste.

 

Es wurde dunkel und wir gingen zu unserem Fahrzeug zurück, das wir neben der Touristenpolizeiwache geparkt hatten (um auch dort zu übernachten). Hier tsj_092 [640x480] lernte Lina einen neuen Freund kennen. Am Nachmittag erhielt Lina bereits eine Schirmmütze als Geschenk, jetzt gab es für die Familie eine Honigmelone. Wir waren schon peinlich berührt, dass Lina in den letzten Tag (und in den folgenden Tagen noch mehr) mit Geschenken überhäuft wurde. Die Melone schnitten wir, um sie dann mit den beiden Beamten zu teilen - die glücklicherweise selbst noch ein zweites Exemplar für sich aufgehoben hatten. Jetzt ging es aber erst richtig los. Linas besagter Freund nahm Lina an die Hand uns schlenderte mit ihr umher. Er machte Scherze mit ihr und es wurde ziemlich spät. Begeistert und mit der Geschichte, dass der König von Jordanien auf einer Münze abgebildet ist (die Lina natürlich geschenkt bekam), ging es dann ins Bett. Selbstverständlich passte Papa die ganze Zeit auf, denn an soviel Freundlichkeit und Herzlichkeit mussten wir uns erst noch gewöhnen.

 

Den nächsten Vormittag ging es dann also ans Tote Meer. Mit jedem Meter runter stiegen die Temperaturen in die Höhe. Unterwegs stoppen wollten wir nicht, da jedes Mal eine Horde von Fliegen einfallen würden (die wir ja bereits mühsam am Mount Nebo aus dem Auto verscheucht hatten). Nach spektakulärer Fahrt tsj_101 [640x480]

tsj_104 [640x480] waren wir also am Meer. Da wir noch kein festes Tagesziel (und damit Stellplatz) hatten, scherzten wir, ob wir evtl. eines der wenigen Hotels (es gibt nur 5* - zumindest laut Reiseführer) übernachten würden. Befördert wurde der Gedanke, dass es drückend heiß war. Wir klapperten also mehrere Hotels ab, um die Preise zu erfragen. Erst entgeistert, wählten wir dann tatsächlich ein Resort aus, bei dem wir 190 Euro hinterließen. Dafür wurde Strand am Meer, Poolanlage (zur Freude der Kids und von uns) sowie ein Zimmer mit Blick und direktem Zugang zum Kinderpool geboten. Natürlich wäre der Bergblick erheblich günstiger gekommen. Interessant war aber auch, dass eigene Verpflegung nicht mit ins Hotel gebracht werden durfte. Dieses wurde an einer Sicherheitsschleuse einkassiert. Im mehrfachen Gang vom Auto zum Zimmer brachte ich in den (großzügig dimensionierten) Hosentaschen zumindest ein paar Sachen für die Kinder rein. Zum „Ausgleich" für das Einkassieren war das Dinner auf dem Zimmer sogar erträglich im Preis, auf jeden Fall günstiger als in den Ruinen von Jerash. Den Tag aber nutzten wir, wie gesagt, zum ausgiebigen Abkühlen im Pool, dem obligatorischen Bad im Meer (und Fotodokumentation), schließlich dem Ausklang des Tages bei einem Cocktail auf der Hotelterrasse. Noch zum Eindruck des Bades im Meer: Es fühlt sich so an, als ob man in ein körperwarme (dünnflüssige) Lotion eintaucht. Es entsteht der Eindruck von Geschmeidigkeit.

 

Den nächsten Tag nutzten wir intensiv nochmals zum Poolbaden, um dann auf den letzten Drücker den Checkout zu erledigen. Die Temperaturen sollten aber wieder in die Höhe schnellen. Wir fuhren also erst einmal in die Himmelsrichtung „Gesamtziel", um doch nicht zu wissen, was wir machen sollten. Einerseits die Höhe (Amman oder Mount Nebo), als auch die Tiefe waren für uns mit hohen Temperaturen verbunden, die sowohl für die Kinder, als auch uns eine Belastung waren. Also ging es entlang des Toten Meeres nach Süden, um nicht gleich gescheitert den Weg nach Norden anzutreten.

 

Wir wählten den Weg wieder in die Berge, um dort einen Übernachtungsplatz aus unserer Stellplatzliste anzufahren. Dann aber kam die Überraschung. Die Temperaturen auf dem Berg (es liegen immerhin 1.400 Höhenmeter dazwischen), waren offensichtlich im Verlauf der letzten 24 Stunden deutlich gefallen. Es erwarteten uns angenehme 26°. Der Herbst war in Jordanien über Nacht eingezogen. In Al Karak - unser Übernachtungsziel - trafen wir auf einem Parkplatz in der Innenstadt auch wieder die englische Familie, so dass wir erfuhren, dass sie im Ort bei einem Hotel übernachten würden. Wir wählten dann den selben Platz und zwischen James und Lina sollte damit eine kleine Romance ihren Anfang finden. Obwohl der Ort sehenswert ist - auch der König sollte sich zwei Tage später hier einfinden, so dass mit Fähnchen bereits gerüstet wurde - ließen wir das Besichtigungsprogramm ausfallen. Wir begnügten uns mit Mittagessen.

 

Den nächsten Tag verabredeten wir mit Bonita und Ed ein gemeinsames Übernachtungsziel. Dies sollte der Dana Nationalpark werden. Hier wollten wir James und Lina etwas mehr gemeinsame Tob-Zeichen-Spielzeit geben. Auf dem Weg machten wir Mittagspause mit üblichem Kebab und (sehr schmackhaftem) Hühnchen. Noch ein kurzer Einkauf von Gemüse und Wasser. Ausnahmsweise lächelte hinter der Kasse nicht King Abdullah II sondern zu meiner großen Überraschung Saddam Hussein. Das Bild sah so aus, als ob es dort nicht „vergessen" wurde. Auf dem Weg trafen wir dann auch nochmal Ed und Bonita, um Dana Vistors Center tsj_111 [640x480] als genauen Stopp zu vereinbaren. Am Aussichtsturm des Nationalparks trafen wir sie dann auch wieder. Wir suchten einen gemeinsamen Stellplatz und dann durften Lina und James wieder gemeinsam Toben. Genauer gesagt versuchten sie auf den Schotterwegen Fußball zu spielen. Naja, der Ball ging immer wieder verloren, so dass Lina mal symbolisch gewann, dann James. Nach gemeinsamen Zeichnen gab es für die Erwachsenen noch eine Portion Bier und jeder bereitete sein Abendessen zu. Nach Sternenguckerei gings dann in die Betten. Am nächsten Morgen wieder Malen und dann irgendwann Abbau und Aufbruch. Wir tauschten noch drei Stellmöglichkeiten für den nächsten Abend - Petra sollte der nächste Stopp sein- aus. Vielleicht ergäbe sich wieder eine gemeinsame Spielzeit.

 

Es ging also wieder los. Erster Stopp war dann gleich schon Dana Village. Hier ist das eigentliche Besucherzentrum zum Nationalpark angesiedelt. Gleichzeitig ist auch der Ort sehenswert. Er liegt auf einer Felsklippe mit einem grandiosen Blick in einen Canyon, der sich die nächsten 12 Km bis zum Wadi Araba hinzieht. Wadi Araba ist das Wadi, das sich vom Roten Meer bis zum Toten Meer erstreckt. Ursprünglich verlassen, wird Dana Village nun von drei Familien bewohnt, die sich dem Betreiben der Restaurants und Hotels widmen. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort - wobei Katja kennenlernen durfte, dass sich Dornenstacheln auch durch Badelatschen spüren lassen - kehrten wir in einem Restaurant ein. Evtl. war der Wunsch nach Reis a) für den Preis der Rechnung b) für die Dauer der Zubereitung ausschlaggebend. Wir durften über eine Stunde warten, bis das Essen dann serviert war, teuer (mit 18 Dinar) war es dann auch. Einigermaßen satt wurden wird (dank der Menge Reis). Zumindest der Blick war schön. Da die Zeit (ca. 16:30) schon fortgeschritten war und wir noch Petra erreichen wollten, sputeten wir. Auf dem Weg kauften wir noch schnell ein paar Sachen ein, da der nächste Tag Freitag war zudem Petra sicherlich auch kein billiges Touristenplaster sein würde.

 

Petra

Bei Sonnenuntergang erreichten wir dann auch Wadi Musa (den „lebendigen" Ort zum alten Petra). Am Hotel Al Anbat checkten wir nur kurz, ob wir das Dachzelt von Ed und Bonita erblicken würden. Fehlanzeige. Also schnell weiter zum Parkplatz am Visitor Center. Außer 10 Franzosen-Wohnmobilen auch Fehlanzeige. Dann schnell noch zum 10Km entfernten Amarin Beduin Camp. Auch hier keine Engländer. Wir erkundigten uns dennoch nach dem Preis der Übernachtung, da uns die Gegen landschaftlich außerordentlich gefiel. Überall Wadis aus heraugespültem Sandstein. Wir blieben aber nicht vor Ort, da wir ja am nächsten Tag ja Petra besuchen wollen und die Nacht wir wohl wenig von der Gegend mitbekommen würden. Flink (es war inzwischen dunkel) zurück zum Visitor Center, da dieses nur einen Steinwurf vom Eingang entfernt war. Wohnmobil abgestellt, ausgeglichen, Essen für die Kinder bereitet und ins Bett. Den nächsten Morgen wollten wir ja fit sein. Am Abend checkte ich noch Katjas Fotoapparat, da dieser inzwischen einen Fehler bei der Speicherung der Bilder zeigte - er wollte schlicht nicht mehr. Also Bilder gesichert und vergeblich über Kamera und Netbook die Karte neu formatiert. Da ja auch meine Kamera inzwischen einen Schaden hatte, würde das für Petra bedeuten, dass wir keine Bilder mehr machen könnten.

 

Damit startet dann auch der nächste Morgen. Erst Frühstück und dann tapste ich los, um eine Speicherkarte zu besorgen. Schließlich waren wir ja in einem Touri-Ort und dort musste es ja so Dinge geben. Der erste Laden bot mir dann eine für 40 Dinar (ca. 44 Euro) und eine kleinere (für einen Freundschaftspreis von 30 Euro), natürlich nach Auskunft des Besitzers, viel schlechtere Karte an. Er würde mir die bessere empfehlen. Nachdem ich ihn (ich studierte ausgiebig die Verpackung) fragte, das der Kleber auf der Rückseite (18 JD) bedeuten würde, musste er geschäftig nachschlagen, um mir dann mitzuteilen, dass dies ein Code sei. JD steht übrigens für Jordan Dinar... Also raus aus dem Laden. Zuvor klärte mich der Besitzer aber freundlich noch auf, dass er der einzige hier in der Umgebung sei, die nächsten Läden (was auch fasst stimmte) wesentlich weiter weg lagen. Ich versuchte dennoch mein Glück und siehe da, ich fand noch einen Laden. Dort konnte ich eine kleine Karte für 25 Euro erstehen, verhandeln wollte der Besitzer nicht. Also in den sauren Apfel gebissen, damit wir auch weiter Bilder machen konnten.

 

tsj_14n [640x480]

Überblick über die Landschaft von Petra

 

Mit dem Erjagten ging es dann zum Womo zurück, um die Sachen zu packen, Jonathan in den Tragerucksack zu hieven und loszugehen. Wir kauften dann Eintrittskarten und „freuten" uns fasst schon, nicht erst am 1.November in Petra zu sein, denn dann würden die Preise saftig anziehen. Wir lösten Tagestickets für 33 Dinar (ca. 36 Euro) pro Erwachsener, Kinder sind frei. Ab November darf man 50 Dinar berappen. Tagesbesucher (die, die aus Aqaba oder Amman auf Stippvisite kommen und nicht in Wadi Musa übernachten) dürfen bereits schon 60 Diar hinblättern. Dafür gibt es einen Pferderitt gratis. Wir liefen also los und an der Eingangskontrolle stellte Katja fest, dass sie sowohl Geldbeutel als auch ihren Teil der Dokumente alle im Auto gelassen hatte. Es war dann ihr Vergnügen zurückzutapsen (einen steilen Berg hoch). Wir warteten im Schatten der Polizeistation und dann fing die Geschenkesammlerei von Lina an diesem Tag schon an. Sie bekam einen Postkartenstapel von den freundlichen Beamten geschenkt. Katja zurück, gings dann wirklich durch die Kontrolle.

 

Der erste Teil nach Petra ist relativ uninteressant. Nach ca. 1 Km geht es dann in die Schlucht, um dann dort ca. 1,5 Km durch die Schlucht zu laufen. Außer, dass dies schon einen tollen Eindruck verschafft, wird man am Ende der Schlucht durch den (erwarteten) Blick auf das wichtigste Gebäude von Petra (Treasury) belohnt. Selbstverständlich scharen sich dort auch die Touristen, um irgendwie abgelichtet zu werden. Hier trifft man dann auch auf Dromedare.

 

tsj_119 [640x480] tsj_121 [640x480]

Einerseits halten die fürs Panorama her, andererseits sind sie das hier angebotene Transportmittel für die nächste Etappe, also die nächsten 1,5 Km bis zur Königswand. tsj_13n [640x480] Lina lief bisher tapfer und lies sich auch gerne sowohl von mir, als auch von „einheimischeren" Besuchern ablichten. Und dann, siehe da, trafen wir Bonita, Ed und James. Die Freude bei den beiden Kids war groß. Nach Schwatzerei und dem Feststellen, dass die Engländer im Al Anbat ihre Unterkunft gefunden hatten - der Parkplatz von der Straße nur nicht einsehbar war, weshalb wir sie am Abend auch nicht entdecken konnten. Wir liefen dann erst mal getrennte Pfade, um für den Abend zu verabreden, dass wir auch am Al Anbat übernachten würden.

 

Lina erstand (selbst!) eine Kette mit kleinen Stoffkamelen und war ganz stolz. Nun aber ging die Geschenketour von Lina erst richtig los. Wir liefen zur Königswand. Am ersten Stand schlenderten wir wohl nur etwas zu langsam vorbei tsj_123 [640x480] oder sahen uns die Sachen mit einem kleinen Tick zu viel Aufmerksamkeit an, schwups hatte Lina ein kleines Holzkamel geschenkt bekommen. Nach dem Stand erklomm ich mit Jonathan im Gepäck die steilen Stufen, Lina und Katja gingen einen anderen Weg, wir wollten uns ein gutes Stück weiter wieder treffen. Nach meinem Abstecher musste ich aber feststellen, dass Lina und Katja gerade mal bis zum nächsten Stand gekommen sind. Dort tranken sie gerade Tee und ich bekam dann auch eine Tasse. Hier ging die Schenkerei weiter. Zum Ausgleich kauften wir dann auch mal ein Armband. Inzwischen war die Tüte von Lina richtig voll.

 

Wir machten noch einen Bogen, um ein paar Ruinen weiter zu besichtigen, wollten uns dann aber auf den Rückweg machen. Ad Deir (Kloster, zu dem ca. 800 Stufen zu erklimmen sind) ließen wir aus. Auch so war der Rückweg lang. In der Schlucht zurück, trug Katja Lina dann zwei Mal, das letzte Stück zum Besuchereingang zurück hatten wir uns ja für den Pferderitt aufgehoben. Lina und Katja auf einem, Jonathan (in der Trage) und Frank auf dem anderen Pferd ging es dann weiter.

 

Zügig ging es zum Auto zurück und dann zum Hotel Al Anbat. Dort stellten wir fest, dass auch die Monsters (Doro und Jupp, die wir in der Türkei und Aleppo getroffen hatten), auch da waren. Lina und James hatten also wieder ihre gemeinsame Zeit. Wir beschlossen, dass wir am Hotel dann zwei Nächte stehen bleiben würden. Einerseits mussten wir wieder Wäsche waschen, andererseits hatten die Engländer ein Zweitagesticket, so dass sie auch noch zwei Nächte bleiben würden. Lina und James durften sich als auf noch mehr Spielzeit freuen. Sie tobten und kreischten dann auch regelmäßig. Als es ans Verabschieden ging, schien es so, als ob James es ziemlich bedauerte. Lina von uns später gefragt, ob sie James auch heiraten würde (als Gradmesser für Freundschaft bei ihr), bejahte dies. Der Auszeittag selbst in Wadi Musa verlief ansonsten ruhig. Nach der dritten Nacht in Wadi Musa sollte es dann nach Wadi Rum weitergehen. Jupp überraschte uns mit der positiven Nachricht, dass die Temperaturen in diese Richtung (insbesondere Aqaba) auf ca. 30 Grad „gefallen" sind, so dass der Schreck von 40 Grad erst einmal genommen war. Also sollte es weiter in Richtung Süden gehen.

 

Der Süden mit Wadi Rum und dem windigen Aqaba

Wir kauften noch schnell etwas Brot ein (es gab eine Bäckerei, die nicht nur Fladenbrote anbot) und dann ging in einer Tour nach Wadi Rum. tsj_16n [640x480] Am Visitor Center erkundigten wir uns nach Übernachtungsmöglichkeiten in Beduinzelten und nach Touren. Wir entschieden uns, dass wir das eigene Fahrzeug vorziehen würden und Lina und ich am nächsten Vormittag eine Wüstentour machen würden. Wir fuhren das letzte Asphaltstück nach Wadi Rum weiter, um dann den vorgegebenen Stellplatz aufzusuchen. Nackter Parkplatz und dazu noch dreckig, so dass wir Jonathan nicht krabbeln lassen wollten. Nach einem Spaziergang von Dreien (Kinder & Frank) durch den etwas trostlosen Ort, konnte ich sehen, dass ein weiteres Wohnmobil einen besseren Platz gefunden hatte - außerhalb des Ortes noch auf kiesigem Sand, so dass wir denselben Platz gerade noch bei Dämmerung ansteuerten. Die Saarländer hatten nichts dagegen, dass wir uns etwas abseits von Ihnen hinstellten. Der Sand war dann auch ideal für Jonathan.

 

tsj_18n  [640x480] tsj_7n [640x480]

 

Den nächsten Morgen stärkten wir uns kurz mit einem Frühstück und kurz bevor wir losziehen wollten, kam auch ein grüner Lkw um die Ecke und Doro und Jupp begrüßten uns, sie waren gerade dabei ins Wadi zu fahren. Katja hielt einen kurzen Plausch, während Lina und ich in Richtung vereinbartem Treffpunkt mit dem Tourführer gingen. Dieser hatte sich heute in Beduinenkleidung geworfen. Wir mussten allerdings noch einige Zeit warten, bis sein Cousin dann kam, um uns erst nochmal zum Womo zu fahren (ich hatte den Fotoapparat vergessen). Dann konnte es losgegehen. Erste Station war die Lawrence Spring. Hier soll Lawrence gebadet haben (wer den Film besser in Erinnerung hat, wird sicherlich mehr Details kennen). Dann ging es zum Highlight für Lina: eine Sanddüne.

 

tsj_157 [640x480] tsj_143 [640x480]

 

Dort durfte sie raufklettern und runterflitzen. Der Tourführer war auch immer dabei und hilfreich. Schließlich sammelte Lina noch Sand in einer Flasche, um diesen dann in Berlin vorführen zu können. Nächster Punkt war eine Schlucht, in der eigentlich nabatäische Zeichnungen zu besichten waren. Allerdings wurde wohl alles dorthin gekarrt, unabhängig davon, ob jemand die 2 ½ Meter Klettersteig schaffen kann oder nicht - also ganze Scharen von 70jährigen und natürlich wir. Also nix mit Zeichnungen. Nach kurzem Aufenthalt bei Tee im Beduinenzelt ging es noch zu einer natürlichen Steinbrücke, die wir erklommen, um dann auch noch hübsche Fotots zu machen. Lina wurde vom Tourführer erklärt, dass aus einem bestimmten Sandstein Schminke gemacht werden konnte - Volltreffer bei ihr. Es wurde gleich ein Fünfjahresvorrat eingepackt. Nun ging es aber zurück. Am Womo abgesetzt, verabredeten wir gleich, dass wir zwei tsj_155 [640x480] Stunden später eine kurze Kameltour (Dromedatour) machen würden - schließlich war dies ja obligatorisch. In etwas zur verabredeten Zeit kam dann auch das Dromeda. Lina und ich saßen auf, Jonathan feixte bei dem Anblick und los ging es eine halbe Stunde lang. Auf dem Schaukelwüstenschiff - wie es Lina dann im Mix taufte - hatten wir durchaus Spaß. Nach der halben Stunde war dann auch dieser Spaß vorbei, wir mussten packen, da wir den Nachmittag noch nach Aqaba wollten. Auf dem Weg aus dem Nationalpark trafen wir dann noch James, Bonita und Ed, schwatzten etwas und verabredeten (lose), dass wir ein Hotel mit Campingmöglichkeit in Aqaba ansteuern würden. Sie selbst wollten noch eine weitere Nacht im Wadi Rum verbringen.

 

tsj_8n [640x480] tsj_15n [640x480]

 

 

Wir flitzten also los, es war schon später Nachmittag. Bei Sonnenuntergang erreichten wir Aqaba. Auf dem Weg rein sahen wir zu unserer Freunde einen Burger King, Poppey und einen Pizza Hut. Wir entschieden uns für eine Pizza und Hühnchenwrap. Damit ausgestattet fuhren wir unserer Unterkunft entgegen. Am Beduin Garden Village fanden wir dann auch Platz. Lina hatte sogar noch Zeit kurz in den Pool zu springen. Dies sollte unser Stellplatz für vier Nächte werden. Die nächsten Tage (bis auf den letzten) waren ziemlich windig, so dass sich die Hitze (es wurden dann langsam mehr als die 31 Grad) sehr gut ertragen. Nur auf die Sonnte musste man ordentlich aufpassen.

 

Den nächsten Tag tauchten auch die Engländer wieder auf - die Freude der Kinder wieder groß. Bonita teilte uns mit, dass ihr James gestanden hätte, dass er in Lina verliebt sei. Welch Romantik. Unser Abendessen hatten wir inzwischen bei einer Einkauftstour nach Aqaba organisiert: Barbeque. Trotz des Windes (die tsj_158 [640x480] Böen waren teilweise ziemlich heftig) konnte ich dennoch den Grill in Gang bekommen. Nächster Tag war unser Hochzeitstag. Wir luden - da es defnitiv der letzte gemeinsame Abend mit den Engländern sein würde - alle zum Abendessen ein. Es sollte nochmals Barbeque geben. Der Saveway-Supermarkt in Aqaba war eine hervorragende Quelle für saftig zartes Rindfleisch (aus Neuseeland). Auf dem Weg zum Einkauf trafen wir dann auch nochmal (letztes Mal) Doro und Jupp, die sich gerade nach eine Unterkunft umschauten. Es gab also besagtes Abendessen und wir saßen noch länger zusammen. Hier gab es für Lina eine große Überraschung. Sie bekam von James einen Teddybär geschenkt, den er an dem Tag in einem Laden für Lina ausgesucht hatte. Lina selbst - ohne Geschenk für ihn - gab dann selbst einen ihrer eigenen Teddies her. Ich hatte sie nur aufmerksam gemacht, dass sie etwas Großes von James geschenkt bekommen hat, sie aber leider nichts für ihn hätte. Dann wollte sie ihre Puppe ihm geben. Nachdem ich ihre Frage, was Jungs denn haben wollen (denn Puppen erklärte ich ihr würde James nicht mögen), kam sie auf die Idee mit dem eigenen Teddy.

 

tsj_9n [640x480] Den nächsten Tag verabschiedeten wir die Bonita, Ed und James (sie fuhren mit der Fähre weiter nach Ägypten (Ziel Südafrika), wir selbst wollten noch einen Tag länger bleiben, um dann doch noch Schnorcheln zu können - das hatten wir bisher nicht geschafft. Wir liehen uns dann eine entsprechende Ausrüstung. Katja gab nach zwei Versuchen auf - jedesmal schluckte sie Salzwasser oder irgendetwas funktioniert nicht so ganz. Dafür hatte ich dann das Vergnügen. Direkt vor unserer Haustür lag das Riff des Aqaba Marine Park. Absolut sehenswert. Der Vormittag war schon interessant, am späten Nachmittag ging ich dann nochmal schnorcheln, um bei der Gelegenheit auch Feuerfische und einen Steinfisch zu sehen. Es war einfach fantastisch.

 

Zurück über Dana Nationalpark, Amman und zur syrischen Grenze

Damit war der Umkehrpunkt unserer langen Reise erreicht. Wir packten etwas wehmütig - denn jetzt würde es nur noch heimwärts nach Norden gehen - ein, um nochmal bei Saveway einzukaufen. Das Ziel sollte erneut der Dana Nationalpark sein. Dieser ist Katja in guter Erinnerung geblieben, so dass sie dort gerne nochmal Halt machen wollte. Wir erreichten dann auch den Park am späten Nachmittag. Absicht war, erneut zu Grillen. Während des Holzsammelns für ein Lagerfeuer kam dann eine palästinensische Großfamilie vorbei, um ziemlich stürmisch Jonathan und Lina zu belagern. Wir ließen den Sturm über uns ergeben, denn es war klar, dass die Familie spätestens zum Sonnenuntergang abfahren würde - es war Freitag (damit Ausflugssonntag). Also dann doch noch schnell ein Stück Rind aufs Feuer gelegt und mit Lina Lagerfeuerromantik genossen. Sterne gab es heute wenige, da der Mond strahlte.

 

Weiter ging es in großen Schritten gen Norden. Erst überlegten wir, ob wir in Amman übernachten würden - die Aussicht aber wieder in der Schule von Kindern belagert zu werden - trieb uns dann eher nach Madaba - kurz vor Amman. Hierher wollte eigentlich Katja nicht, da sie die Fliegen des Mount Nebo (um die tsj_171 [640x480] Ecke liegend) fasst noch lebhaft in Erinnerung hatte. Wir fuhren dennoch die Abendstation an, um dann sehr positiv überrascht zu werden. Der Stellplatz war der Parklpatz der St. Georgskirche. Positiv war, dass der Platz abgeschlossen war und die Angestellten der Gemeinde (die ein Guesthouse / Pilgrams House betrieben), sehr freundlich und hilfsbereit waren. Wir verbrachten also einen ruhigen Spätnachmittag und Abend. Schlenderten noch durch die umliegenden Gassen und freuten uns dann auf eine abwechslungsreiche Nachtunterhaltung. Nachts meldet sich der Muezzin und uns wurde schon gesagt, dass um 7:30 Gottesdienst sei. Um 7:00 meldeten sich dann auch pünklich die Glocken der Kirche. Das abendliche Geläut betrachtete Jonathan zuerst sehr skeptisch und es war noch nicht so ganz klar, ob er losheulen würde. Nachdem wir aber das ganze lustig und fröhlich begleiteten, war er wohl davon überzeugt, dass Glockenläuten nicht ganz so schlimm sei.

 

tsj_17n [640x480] Den folgenden Tag ließen wir dann langsam angehen. Katja hatte den Vorabend schon genutzt, um die Kirche zu besichtigen, ich holte dies im Touristentrubel (den Katja vermieden hatte) dann nach. Madaba ist für seine Steinmosaike berühmt. Die Kirche selbst wiederum ist für ein großes Mosaik bekannt, das eine Karte aus dem 5. Jahrhundert darstellt, die die „regional bekannte" Welt vom unteren Niltal, der Sinaihalbinsel bis nach Syrien darstellt. In Ost-West wird das Mittelmeer, Jerusalem und das Zweistromland abgebildet.

 

Letzter Shoppingstop in Jordanien sollte dann wieder die City Hall von Amman sein, insbesondere der Carefour. Kleine Herausforderung war nun also wieder durch Amman zu fahren. Erst bot das Navi eine komfortable Strecke an, irgendwie haben wir es aber doch geschafft durch die Innenstadt zu fahren. Auf dem Weg raus entdeckten ich ein amerikanisches Restaurant (Fuddruckers), das mit schon auf dem Hinweg aufgefallen ist. In guter Erinnerung aus einem USA-Urlaub stoppte ich und zum Entsetzen von Katja musste ich gegen den Verkehr etwas zurück, um die Einfahrt zu erwischen. Als auch diese Hürde genommen war und wir auf dem Parkplatz standen, ging es zum besten Hamburger der Welt - man bekommt das getoastete Brötchen mit Fleisch (in gewünschtem Garzustand) und belegt dann selbst. Einfach großartig. Nach der Stärkung ging es dann aber in die City Hall. Zuerst kauften wir bei einem französischen Bäcker Brot (da erstens lecker und zweitens auch mal drei Tage haltbar - im Gegensatz zu einem Tag bei Fladenbrot), dann deckten wir uns im Carefour mit allem ein, was wir für die nächsten Tage und insbesondere für die Fährfahrt noch brauchen würden.

 

Inzwischen war es schon später Nachmittag geworden. Den eigentlichen Plan, heute noch nach Bosra in Syrien zu kommen, ließen wir auf dem Weg aus Amman raus dann fallen. Alternativ steuerten wir eine Burg bei Jerash an: Aljun. Wir hofften eigentlich, dass wir direkte an der Burg stehen würden, mussten dann mit dem Parkplatz des deutlich weiter unten liegenden Visitor Center vorlieb nehmen. Der Nachtwächter war ein aufmerksamer Typ, der uns erzählte, dass sein Mercedes Benz bereits von seinem Vater aus Deutschland vor Jahren überführt wurde. Soweit also dieser Tag.

 

Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen mit dem endgültigen Ziel nach Syrien zu kommen. Kurz vor Mittag erreichten wir dann auch die Grenze. Auf jordanischer Seite ging es erst in den Duty Free, um eigentlich mit wenig wieder rauszukommen. Die Zollformalitäten waren sehr schnell erledigt (man ging einfach von Schalter 1 zu Schalter 2, bis man am Schalter 5 fertig war), das Portemonaie war aber auch mit 37 Dinar an Ausreisesteuer erleichtert.

 

In freundlicher Verabschiedung ging es dann in Richtung syrischen Checkpoint. Dort checkten wir erste einmal wieder den Duty Free - um festzustellen, dass dies wohl der bestsortierteste Laden in Syrien sein müsste. Es gab eigentlich alles. Dennoch „fanden" wir nichts wirklich passendes, so dass wir hier auch wieder eher unverrichteter Dinge rausgingen. Syrien als Land der ersten Hochkulturen und auch Erfinder der Bürokratie haben letzteres wohl im Laufe der Jahrtausende ziemlich weiterentwickelt. Bürokratie in schönster Form. Einzig die Situation, dass sehr wenig am Grenzübergang los war entspannte die ganze Lage. Ansonsten war es wieder ein Pontius zu Pilatus. Erst die Stempel für den Pass - das ging ja noch - dann war das Auto dran. Erst das richtige Formular auftreiben. Am Schalter, über dem Triptyk stand (das was man für das Auto braucht), wurde ich gefragt, ob ich kein Triptyk habe. Nein, hatte ich nicht - weshalb hätte ich mich dann an den Schalter begeben? Nach hin und her war dann aber schnell klar, dass ich erst einmal an einen anderen Schalter (an dem nichts stand) musste. Dort gab es ein Formular, das mit Kopie des Reisepasses von Katja (als Fahrzeughalter) und Fahrzeugschein erweitert wurde. Vom Beamten dort erhielt ich das ausgefüllte Formular, um dann erst einmal raus zum Zollbeamten geschickt zu werden, der seinen Stempel und Bemerkungen auf dem Formlar ergänzte. Dann durfte ich zum Bankschalter, an dem ich 201 US-Dollar in syrische Pfund umtauschen musste, um dann endlich mit allen Belegen, Quittungen und weiteren Stempeln am Schalter „Triptyk" auftauchen zu dürfen. Glücklicherweise hatte mir der Beamte am Formularschalter die Reihenfolge erläutert. Der nun aufgeschlossene Beamte am „Triptyk-Schalter" schuf seine eigenen Ergänzungen, nur um mich zu seinem Kollegen 5 Meter weiter (dann allerdings nicht mehr vor sondern hinter dem Schalter) zu lotsen. Dort wurde ich dann die umgetauschten syrischen Pfund los, erhielt brav einen weiteren Stempel, um zum vorletzten Beamten wieder zurückzugehen. Der stempelte nochmals (mehrmals) und teilte mir nun mit, dass ich nur noch durch die Zollkontrolle mit dem Fahrzeug müsse, dann wäre ich durch. Letztere Kontrolle ging dann aber flugs, um dann noch am letzten Checkpoint alle Papiere erneut vorzeigen zu dürfen sowie nun die letzten Stempel im Pass zu erhalten.

 

Wir waren wieder in Syrien!


Nochmal Syrien

Damaskus

Bosra ließen wir nun ausfallen, vielmehr fuhren wir gleich nach Damaskus. Der Nachmittagsverkehr war erträglich und das Navi führe uns zielsicher zum Campingplatz. Dies ist neben dem Campingplatz bei Aleppo der zweite (und damit einzige) Campingplatz in Syrien, der auch als solches bezeichnet werden kann. Alle anderen Gelegenheiten sind mehr Campingmöglichkeiten. Für den Abend durften wir uns noch den Platz aussuchen, den nächsten Morgen sollten wir aber in eine Lücke rein, da zwei große Womo-Gruppen erwartet wurden. Es folge das übliche Abendritual mit Toben, Abendessen, Toben, Bettgehen von Jonathan und dann Bettgehen von Lina. Katja schlief schon vor Lina ein.

 

Den nächsten Vormittag machten wir uns auf die Altstadt von Damaskus zu erkunden. Mit dem Taxi ging es in die Stadt, um dann mit dem Suk zu beginnen. tsj_175 [640x480] Unser erster Eindruck war sofort, dass dieser schöner als der von Aleppo war, obwohl die Reiseführer das Gegenteil berichten. Nach 15 Minuten hatten wir die erste Shisha erstanden und dann schlenderten wir erst einmal weiter. Es folgte der Besuch der Umayyaden-Moschee. Wir betraten die Moschee über den Touristeneingang, in dem sich Katja erst einmal eine Kutte überwerfen durfte. Es folgte der Rundgang durch die wirklich schöne Anlage mit seinem glatten Marmorinnenhof und dem großen Gebetsraum. Ein Schrein, der angeblich die Gebeine Johannes des Täufers aufbewahren soll, ist ein Anlaufpunkt für die Gläubigen. Auf dem Weg raus machte ich noch einen kurzen Abstecher zum Mausoleum von Saladin. Dem sind zwei Gräber gewidmet. Einer, in dem er angeblich liegen soll (ein Holzsarg), ein zweiter Marmorsarg ist das Geschenk von Kaiser Wilhelm II, in das man Saladin aber nicht umbetten wollte.

 

tsj_176 [640x480] tsj_178 [640x480] tsj_181 [640x480]

 

Nun ging es weiter durch die Gassen der Altstadt. Nach einem Stopp in einem Cafe ging es in den Suk zurück, wo wir die zweite Shisha erstanden. Nun waren wir fasst blank. Daher galt der nächste Halt außerhalb des Suk einer Wechselstube. Da Lina im Verlauf des Tages versprochen wurde, dass sie sich etwas auf dem Suk aussuchen durfte, ging es nochmal zurück. Lina suchte sich ein pinkes Ballkleid aus. Als der Laden erst keines in ihrer Größe hatte bzw. nur in weißer Farbe, war ihre Enttäuschung groß. Glücklicherweise wurde das Lager aber abgesucht und es kam ein pinkes Kleid in ihrer Größe zum Vorschein. Sie war happy. Nun ging es aber im Taxi zum Campingplatz zurück. Dort führte Lina ihr Kleid vor - inzwischen waren die erwarteten 20 Franzosen-Wohnmobile und 16 Italiener-Wohnmobile eingetroffen. Der Platz war voll.

 

tsj_186 [640x480]

 

 

In die Wüste nach Palmyra und dann zur Fähre

Den nächsten Tag suchten wir erst einmal eine Werkstatt, da wir bei Abfahrt vom Campingplatz feststellten, dass irgendwas mit dem Stoßdämpfer nicht in Ordnung ist. Beim Nachsehen stellten wir fest, dass die Staubmanschette vorne links unten war. Also steuerten wir eine Fiat-Werkstatt - nur, dass sich diese auf tsj_190 [640x480] der falschen Seite der Autobahn befand und wir partout keine Umkehr fanden. So steuerten wir kurzerhand eine Mercedes-Werkstatt an. Die Angestellten waren freundlich, wahrscheinlich einer der Bosse bemerkte, dass wir wohl einen kurzen Pitstop machen wollen. Auf jeden Fall begutachtete ein Mechaniker - mal wohnhaft in Berlin gewesen - den Stoßdämpfer. Sein Tipp war, dass wir uns keine Sorgen machen müssten. Also ging es weiter in Richtung Palmyra und damit zu unserem Wüstenausflug. Die Fahrt führte immer weiter in Richtung Osten. Auf den Nachmittag erreichten wir dann

 

tsj_191 [640x480] tsj_195 [640x480]
tsj_19n [640x480] tsj_20n [640x480]

 

Palmyra und fuhren zuerst des Überblickes wegen zur Zitadelle. Wir genossen den Rundblick, wurden von einem Museumswärter durch die Anlage im Galopp geführt und quartierten uns anschließend neben dem Hotel Zenobia auf einem sandigen Platz ein. Irgendwie war dann aber die Luft raus. Die Temperaturen waren angenehm, wir konnten uns dennoch nicht mehr motivieren, die Ruinen von Palmyra zu besichtigen. Das blieb auch weite Teile des nächsten vormittags so. Nach der Besorgung eines weiteren Chickenburger a la Syrie waren wir dann aber gestärkt, um doch noch am Nachmittag durch die Anlage zu spazieren. Nach den zwei Ruhetagen konnten wir uns also der letzten Etappe zuwenden.

 

Der nächste Tag wurden dann unser Fahrtag an die Küste nach Tartus, um uns dort auf die Fähre nach Venedig einzuschiffen. Die Autofahrt ging dann von Palmyra über Homs, wo wir uns noch mit Süßigkeiten eindeckten, nach Tartus. Da alle vorgeschlagenen Stellplätze unserer Liste nur suboptimal gewesen wären (laut, schmutzig bis müllig) sondierten wir nur kurz die Lage in der Stadt für den nächsten Tag, um dann außerhalb von Tartus in Richtung Safita auf die Suche zu gehen. Es gestaltete sich dann als etwas schwieriger im hügeligen Gelände einen Platz zu finden. Auf dem Parkplatz eines Ausflugsrestaurants an einem kleinen Fluss - hierher hatte sich wahrscheinlich noch kein Tourist verirrt - wurden wir dann fündig. Nach einem kleinen Abendessen dort, ging es dann auch in die Kojen.

 

Den nächsten Tag fuhren wir wieder nach Tartus zurück, um auf dem Weg noch ein paar Lebensmittel-einkäufe für die Fährfahrt zu erledigen. Wir tankten dann auch noch den günstigen Diesel - wobei sich die Suche nach einer Tankstelle etwas aufwendiger gestaltete. Ein Ladenbesitzer war, nachdem wir den Weg erfragt hatten, gleich auf sein Mofa gesprungen, um uns dorthin zu lotsen.

 

Es ging durch das Hafentor zum Fährbüro, um dann die Information zu erhalten, dass wir alle Zoll- und Ausreiseformalitäten erst erledigen müssten, um dann eingecheckt zu werden. Die Formalitäten wurden dann auch ziemlich zäh. Der Pass-Ausreiseteil war einfach und ging rekordverdächtig schnell. Wichtig war, dass wir ausreichend lokale Währung noch dabei hatten, denn alles musste in syrischen Pfund gezahlt werden. Der Auto-Ausreiseteil wurde dann ziemlich schwierig und war eigentlich fasst schon bestellt. Bei der Rückreise aus Jordanien nach Syrien erhielten wir die Erlaubnis in vier Tagen Transit durch Syrien zu fahren, wir blieben aber - wegen der Fährfahrt sechs Tage. Die kleine Differenz wollte ich aber bei der Einreise nach Syrien nicht richtigstellen, denn gleichzeitig lief die einmonatige Autoversicherung, die wir noch aus dem ersten Transit hatten, zum „offiziellen" Ausreisetermin aus. Wir hätten für die zwei Tage einen weiteren einmonatig gültigen Versicherungsvertrag abschließen müssen. Es war also das kleine Spiel, ob bei der Ausreise auf die zwei „Verlängerungstage" im Transit drüber hinweggesehen wurde. Es wurde nicht, ich erhielt eine Strafsteuer auf die Verlängerung und am Ende war weder etwas verloren noch gewonnen - außer vielleicht die längere Prozedur am Zoll. Leider hatte von den zwei Beamten nur einer die Idee, mich „durchzuwinken". Also mit allen Zollpapieren zurück zum Fährbüro, dort in 5 Minuten eingecheckt und ab in Richtung Schiff. Dort versicherte ich, dass wir keine Lebensmittel mitführen. Der Beamte an Bord stempelte alle Dokumente und verlangte unverfroren Geld - es waren bereits alle Gebühren bezahlt. Den letzten Dollar im Portemonaie erhielt er (er durfte auch in den Geldbeutel reinschauen - der Rest war ja zur Sicherheit in den Hosentaschen verteilt), um weiteren Ärger zu vermeiden.

 

Fährfahrt und Heimkehr

Damit waren wir an Bord, erhielten einen Innenkabine zugeteilt und transportierten unsere Sachen inkl. der nicht angemeldeten Lebensmittel für die nächsten drei Tage in die Kabine. Das Schiff war schnell erkundet - und uns war klar, dass die nächsten Tage gähnend langweilig werden würden. Die wenigen Highlights der folgenden Tage sind damit auch schnell aufgezählt. Wir trafen die (angekündigten) Freunde von Jupp und Doro aus Holland. Sie fuhren die Route von Venedig nach Alexandria, um sich mit den Beiden in Kairo für die Weiterfahrt zu treffen. Wir hatten einen Blick vom Schiff auf Alexandria, durften aber nicht runter, da wir uns im Transit „durch" Ägypten befanden. Etwas Abwechslung bot die Unterhaltung mit einer netten französischen Familie (mit ihren zwei fasst gleichaltrigen Kindern), die gerade von einer Tour durch den Nahen Osten auf dem Heimweg waren. Ansonsten wurde die Schiffspassage am Ende durch die Adria ziemlich wackelig, so dass Katja die vorsorglich in Jordanien gekauften Anti-Übelkeitstabletten an die auffälligen Mitfahrer verteilte - die, die beim Abendessen schon die Stirn auf den Tisch legten. Wir nahmen auch noch unsere Ration und schwankten damit in die letzte Nacht an Bord.

 

Im Hafen von Venedig angekommen, packten wir wieder alle Sachen zurück ins Auto und dachten schon, dass wir neben den anderen ca. 10 Autos gefilzt werden. Zumindest waren wir die letzten in der Schlange und konnten eben diesem Prozedere, dem sich die Vorderleute unterziehen mussten, gut zuschauen. Aus der letzten Reihe kann man eben auch mal gut zuschauen. Wir wurden schließlich herangewunken, sagten brav auf, dass wir alle Regeln kennen (z.B. keine Milchprodukte mitführen würden - die Reste hatte ich vorsorglich tatsächlich auf der Fähre entsorgt), Jonathan und Lina zogen (unaufgefordert) eine kurze Charmenummer auf und schwupps waren wir schon durch. Unser Glück fasst nicht fassend, waren wir also wieder nach Europa zurückgekehrt.

 

Der letzte Teil ging dann flott. Meine Eltern trafen wir noch am Brenner - sie waren gerade auf dem Weg zur Womo-Überwinterung nach Italien, ein kurzer Zwischenstopp am Chiemsee, bei Katjas Eltern im Franken fasst ungezählte Waschmaschinenladungen erledigt und das Womo winterfest gemacht. Damit endeten dann auch 8.250 Kilometer in zwei Monaten. Der letzte Teil ging dann mit dem eigenen PKW nach Berlin zurück.

 

 

Fazit

Den Kindern ging es blendend und sie genossen die Zeit; sofern man die Jauchzer als Bestätigung werten darf. Selbst die Temperaturen sind zu organisieren. Pausen und regelmäßiges Trinken sind Pflicht und selbstverständlich. Während der Fahrt hatten wir uns alle an die doch sehr engen Verhältnisse im Womo gewöhnt. Mit Zeltteppich vor der Tür wurde auch der Krabbelraum von Jonathan deutlich erweitert. Er schaffte es nun alleine ins Womo zu klettern. Wir hatten bewusst der Beweglichkeit wegen ein kleines Fahrzeug gewählt, um nicht mit einem ellenlangen Fahrzeug irgendwann in Kurven oder engen Gassen steckenzubleiben. Zudem ist es generell von Vorteil in Syrien und Jordanien technisch als Pkw und nicht als Lkw unterwegs zu sein.

 

Das Reisen mit Kleinkindern hat - man glaubt es kaum - sogar Vorteile. Um kommunikativen Anschluss muss man sich nicht erst bemühen, der entsteht von ganz alleine. Ob es im Restaurant ist oder im Supermarkt, die Kinder werden schnell zum Mittelpunkt und Anlass für eine kurze Unterhaltung. Und sei es nur, dass eines der Kinder kurz über den Kopf gestreichelt wird. Lina freute sich natürlich besonders, wenn sie eine Kleinigkeit geschenkt bekam. Sie wurde immer wieder überhäuft: Süßigkeiten, Postkarten mit Tiermotiven und zwei Anstecker. Zwischenzeitig hatte sie eine kleine Tüte voll mit Erinnerungsstücken zusammengesammelt. Ob sie die Küsse, die ihr regelmäßig auf die Wange gedrückt wurden, möchte lässt sich nicht feststellen. Dafür kamen sie doch häufig überraschend - aber alles andere als selten. Zumindest wurde sie im Lauf der Zeit immer aufgeschlossener. Jonathan der Schelm spielte dann auch regelmäßig seinen Charme aus und erweichte Mann und Frau. Er ließ Prodeduren, wie sie Lina „ertragen" muss, mit stoischer Ruhe und Gelassenheit über sich ergeben.

 

Ansonsten war das Reisen äußerst entspannt. Die Straßen waren überwiegen gut bis sehr gut, so dass wir in der meisten Zeit geruhsam voran kamen. Selbst die größeren Städte er- und durchfuhren wir und kamen ohne Schäden wieder raus. Selbst die Innenstadt von Amman ist zu bewältigen. Einzig in Jordanien nerven die querlaufenden „Bremshügel" zur innerörtlichen (manchmal aber auch außerorts) Geschwindigkeits-regulierung. Übersieht man einen und fährt zu schnell, dann macht das Fahrzeug einen gewaltigen Satz. Glücklicherweise haben wir nie einen vollständig übersehen sondern wenigstens im letzten Moment noch bremsen können. Dreimal ist uns aber dennoch eingewaltiger Satz in Erinnerung geblieben und die anschließende kurzzeitige Furcht, ob noch alles am Auto dran ist. Wenn man dann auch noch vom Tankwart zum Tee eingeladen wird, dann ist die Welt des Autofahrens doch ziemlich in Ordnung.

 

Zur weiteren Entspannung trug natürlich auch dazu bei, dass die Kinder selbst wohlauf waren. Bis auf eine Woche bei Jonathan und drei Tage bei Lina konnte jeglicher Durchfall bei den Kindern vermieden werden. Jonathan stellten wir in Irbid (in Jordanien) einem Arzt vor, der Antibiotika verschrieb, nach denen es dann 24 Stunden später wieder eine „normale" Windel zeigte. Dies sollte dann glücklicherweise dann auch so bleiben. Die täglichen Vorsichtsmaßnahmen, wie Abkochen von Flaschen etc. trugen selbstverständlich auch dazu bei, dass wir das Thema Durchfall im Griff behalten konnten.

 

Wir würden die Reise jederzeit wieder machen. Und, wir würden sie nicht anders machen. 5 unvergessliche Wochen der zwei Vätermonate konnten wir in Syrien und Jordanien verbringen. Als Familie hat die Tour uns ungemein gut getan. Wir sind ein Stück näher zusammengerückt, was wir auch in den Berliner Alltag mit tragen können und haben viele neue Seiten an uns allen entdeckt.

 


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 27. März 2011 um 19:59 Uhr